Selbstautomation

Fahrrad, Bioladen und Privatschule: Hallo, Elite!

Posted in SPUNK by selbstautomation on September 17, 2010

Erschienen in SPUNK #60

Wer über Bildung redet, darf über die Eliten(-bildung) nicht schweigen. Ob nun Eltern, die ihre Töchter auf katholische Mädchenschulen schicken, Grünen-Wähler_innen, die nichts so sehr fürchten wie den Fakt, dass ihr Kind mit Kindern aus „bildungsfernen“ Schichten die Schulbank drückt: Dem Gesang der Elite sind sie alle verfallen.

Klar: Wenn schon der Kapitalismus dermaßen viele soziale Unsicherheiten, gerade auch in den Mittelschichten, produziert, dann scheint der einzige Ausweg für die verängstigten Eltern zu sein, den Kindern die optimalen Lernbedingungen zu bieten, damit der jetzige gesellschaftliche Status auch weiterhin gesichert wird. Und das um jeden Preis. Im Notfall wird auch bereitwillig dafür bezahlt, dem Kind den Platz auf der Eliteschule zu ermöglichen.

Die nächste Entwicklung setzt schon ein: Selbst im Elitebildungssystem Universität (nur 42 % eines Jahrganges studieren überhaupt) werden jetzt Elitehochschulen gebildet. Wie soll ein Hochschulsystem funktionieren, welches schon jetzt chronisch unterfinanziert ist, wenn das Geld einseitig den Universitäten zugute kommt, die schon allein aufgrund ihrer Lage in einer Stadt wie Berlin „Wettbewerbsvorteile“ haben? Und: Ist es ein Zufall, dass diese Debatte fast zeitlich parallel zu der Diskussion über eine weitere Öffnung der Universitäten verläuft? Die Antwort ist leider einfach: Eliten sind nur dann Eliten, wenn die Clubs exklusiv bleiben. Wenn sich die Massen der Elite angleichen, dann müssen die Eliten eben noch elitärer werden. Denn eins ist in allen elitären Gruppen gleich: Die „Anderen“ müssen draußen bleiben.

In den seltensten Fällen entfalten solche Elite-Clubs Integrationskraft. Dies ist uns ja auch als GRÜNE JUGEND nicht unbekannt. Wenige Personen innerhalb des Verbandes sind Realschüler_innen oder gar Hauptschüler_innen. Hier und da, so wird gemunkelt, wurden in Basisgruppen auch schon einmal Azubis gesichtet. Die Versuche, sich für Gruppen jenseits der eigenen Gymnasialsuppe zu öffnen, haben nie so wirklich funktioniert. Denn: Eliten haben den Kontakt jenseits der eigenen Blase verloren. Die Zahl derer, die von sich behaupten können, auch nur den Hauch einer Ahnung von der Lebenswelt von Hauptschüler_innen zu haben, dürfte innerhalb der GRÜNEN JUGEND äußerst gering sein. Ein Teufelskreis: Ohne Personen, die wenig repräsentierte Gruppen ansprechen, gibt es nicht im größeren Maße solche Personen im Verband. Aber wer macht den ersten richtigen Schritt?

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